| Wem kannst du noch trauen? WikiLeaks und seine Folgen |
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| Geschrieben von: Stefan |
| Donnerstag, den 02. Dezember 2010 um 19:57 Uhr |
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Am 28. November 2010 veröffentlichte die Seite "wikileaks.org" die ersten von insgesamt rund 250.000 Dokumenten aus dem internen Netz des von Hillary Clinton geführten US-Außenministeriums. Aus ihnen geht vermeintlich hervor, was die USA bzw. die amerikanischen Diplomaten über die Welt, ob Freund oder Feind, denkt. Doch sind die Aussagen der Amerikaner über Westerwelle, Berlusconi und Co. wirklich so überraschend? Und was bedeutet das für die Weltpolitik?
Grundsätzlich ist festzuhalten, dass das Erstellen von Profilen über Menschen keineswegs etwas Neues ist. Bereits König Salomon ließ sich über Königin Saba informieren, die ihn an seinem Hof besuchen sollte. Diese Methodik zieht sich durch die Weltgeschichte und ist in gewisser Weise alltäglich, denn jeder Bewerber informiert sich schließlich vorher auch über die Firma, bei der er sich bewerben möchte. Die Verblüffung der Öffentlichkeit, dass die US-Diplomaten Depeschen über Politiker erstellt haben, ist somit überraschender als der Fakt an sich.
Weiterhin wurde argumentiert, die Depeschen würden beweisen, wie die USA wirklich über die Welt denken und dass damit die grenzenlose Arroganz der Amerikaner belegt sei. Diese Sichtweise greift viel zu kurz. Zum einen werden in den Medien natürlich die Auszüge zitiert, die besonderen Sprengstoff enthalten, so zum Beispiel die Aussage, Westerwelle sei "no Genscher". Dieses Zitat ist jedoch nur ein winziger Bruchteil aus einem Wirrwarr von Dokumenten und Akten. Hinzu kommt, dass diese Vermerke Äußerungen von Einzelpersonen sind, die keineswegs für die gesamte US-Regierung, geschweige denn für die US-Bevölkerung gelten. Es ist also Vorsicht geboten, die USA nur anhand dieser Dokumente der Arroganz zu bezichtigen, zumal ja auch positive Vermerke zu vernehmen sind (so zum Beispiel über zu Guttenberg).
Insgesamt ist folgendes zu konstatieren: die Veröffentlichung geheimer US-Dokumente ist für sich genommen ein Verbrechen, dass so nicht toleriert werden darf, zumal es jederzeit auch andere Staaten, auch Deutschland, treffen kann. Doch die von vielen Medien hochstilisierte Sensation erweist sich bei näherem Hinsehen als viel banaler. In der Diplomatie ist es nicht anders als im Alltag: intern wird auch unter Politikern und Diplomaten Klartext geredet; nur nach außen hin werden wohlmeinende Phrasen verwendet. Insofern dürfen bestimmte Aussagen über Politiker seitens der US-Diplomaten nicht wirklich überraschen. Das größte Problem der Veröffentlichung besteht darin, dass das Vertrauen (und Politik besteht stark aus Vertrauen) zwischen den handelnden Personen gestört sein könnte, da man sich nicht mehr sicher sein kann, ob eine getätigte Aussage nicht demnächst durch ein Leck wieder an die Öffentlichkeit gelangt. Ob die Veröffentlichung der Dokumente nachhaltigen Schaden für die Diplomatie angerichtet hat, wird sich erst noch zeigen. |
| Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 02. Dezember 2010 um 20:59 Uhr |




Kommentare
Eines darf man jedoch meines Erachtens nicht vergessen: Die in der Überschrift aufgeworfene Frage "Wem kannst du noch trauen?" gilt nicht nur der außenpolitische n Diplomatie; vielmehr wirft sie ihren Schatten sogar ins Inland, wenn man bedenkt, dass Daten sowie Informationen zu beispielsweise Koalitionsverha ndlungen (und wahrscheinlich auch zu Charakteren der Politik) von deutschen Politikern an die US-Botschaften übermittelt wurden!
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