| Zurück zur D-Mark? Argumente und Gegenargumente |
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| Geschrieben von: Stefan |
| Mittwoch, den 15. Dezember 2010 um 10:39 Uhr |
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Die Diskussion um eine Rückkehr zur guten alten D-Mark hat nun auch unseren Blog erreicht. Robert hat in seinem Beitrag dargelegt, welche Argumente gegen die Wiedereinführung der Mark sprechen. Doch gibt es wirklich nur Contra-Argumente? Da wir unseren Blog auch als Diskussionsplattform sehen, sehe ich mich dazu verpflichtet, auch Gegenargumente zu Roberts Thesen zu formulieren, um letztlich auf der Basis von Pro- und Contra-Argumenten eine anregende Diskussion führen zu können.
Der größte Einwand, der von den Gegnern der D-Mark vorgebracht wird, ist der sogenannte "Export-Schock". Das bedeutet, wie Robert erläutert hat, dass deutsche Waren im Ausland deutlich teurer werden würden und somit der Export schlagartig einbrechen würde. Diesem Argument kann man folgendes entgegen halten: eine starke D-Mark hätte zur Folge, dass Rohstoffe, die Deutschland vor allem aus dem Ausland bezieht, günstiger würden. Daraus folgt, dass deutsche Produkte wiederum günstiger hergestellt und verkauft werden könnten. Die Ökonomin Renate Ohr meint dazu: "Wir haben es früher oft erlebt, dass die D-Mark stark war. Das hat die deutsche Wirtschaft immer ausgehalten." Der Exportschock könnte so ausgeglichen werden, zudem ist ein langfristiger Exporteinbruch keineswegs sicher.
Auch wenn Deutschland stark vom Export abhängt, ist dies keineswegs das einzige Ziel der Wirtschaft. Eine Aufwertung hätte auf den Konsum einen positiven Effekt, denn: Konsumgüter aus dem Ausland würden billiger werden. Nach Meinung vieler Ökonomen wäre ein weiterer Effekt, dass die Zinsen auf Kredite dauerhaft niedrig bleiben oder gar sinken, "weil in ein sicheres Land viel Kapital strömt". Das wiederum macht Investitionen günstiger und ebenso Kredite für Privatleute, die dann mehr Geld für Güter zur Verfügung hätten, etwa ein Haus, ein Auto oder den neuesten Flat-Screen-TV. All das würde die Wirtschaft ankurbeln.
Probleme einer Wiedereinführung liegen noch an ganz anderer Stelle: viele Deutsche haben große Vermögen im Ausland. Kommt es zu einer Aufwertung der D-Mark, verlieren diese Auslandsvermögen stark an Wert. Der englische Ökonom Roger Bootle hat errechnet, dass eine 20%ige Aufwertung der D-Mark zu einem Verlust von 158 Milliarden Euro an Auslandsvermögen zur Folge hätte. Zweifellos ist das nicht im Sinne der deutschen Sparer.
Entscheidend für Politik und Wirtschaft ist nun folgendes: beiden stellt sich die nahezu unlösbare Aufgabe, einen Verbleib im Euro mit der Wiedereinführung der D-Mark gegenzurechnen. Welche Kosten sind langfristig größer? Fakt ist, dass der Rettungsschirm der EU für Krisenstaaten den deutschen Staat jetzt schon teuer zu stehen kommt. Und da sind Portugal, Spanien und Italien noch gar nicht unter dem Schirm. All das belastet den deutschen Haushalt enorm. Der Bundeshaushalt 2010 sah vor, dass die Bundesschuld mit 40,4 Milliarden Euro das zweitgrößte Ressort an Ausgaben (!) ist. Zahlt Deutschland weiter für Pleite-Länder, erhöht sich dieses Ressort Jahr für Jahr und hindert den Staat, dringend benötigte Gelder für Bildung, Investition und Innovation bereitstellen zu können.
Fazit: es gibt kein schwarz und kein Weiß bei der Frage, ob die Wiedeeinführung der D-Mark zu vollziehen ist oder nicht. Viele Faktoren müssen berücksichtigt werden, es gibt eine Reihe Pro-und Contra-Argumente, die abgewogen werden müssen. Viele Star-Ökonomen raten Deutschland, aus dem Euro auszutreten. Barry Eichengreen (USA) prognostiziert, dass Deutschland "seine alte Währung wieder einführen könnte, ohne im Land eine schwere Finanzkrise auszulösen." Doch letztlich entscheiden keine US-Ökonomen, sondern Vertreter der deutschen Politik und Wirtschaft. Lassen wir uns überraschen, wie die Entwicklung weitergeht. |
| Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 15. Dezember 2010 um 11:08 Uhr |





Kommentare
Die positiven Effekte einer harten Währung DM könnten die enormen Belastungen niemals ausgleichen. Zum einen wurde der im Zuge einer Währungsumstell ung möglicherweise eintretende Export-Schock schon angesprochen. Außerdem ist unser Land unzweifelhaft ein Stabilisator des EURO. Würde sich Deutschland aus der EURO-Währung zurückziehen, würde der EURO aufgrund des durch die Krisen-Staaten verursachten Drucks kollabieren. Leidet die Währung der Nachbarstaaten, leidet auch deren Wirtschaft - und damit der Export Deutschlands. Aber nicht nur das: Deutschland ist am milliardenschwe ren europäischen finanziellen Schutzschirm via Garantien/Bürgschaften beteiligt - für Deutschland ergäben sich daraus auch nach einem Austritt aus dem EURO Zahlungspflicht en, ohne dass man eine Inanspruchnahme noch vermeiden könnte.
Zumal die Einführung des Euros für die deutsche Wirtschaft und damit für den Staat und nicht zuletzt für uns (die Bürger) einen enormen Gewinn darstellte.
In allen der heutigen "Krisenländer" haben deutsche Firmen im System mitgespielt und Gewinne gemacht. Sei es bei der Korruption und Steuerhinterzie hung in Griechenland oder dem "Zocken" in Irland. Landesbanken haben mit den (inzwischen scheinbaren) Gewinnen aus Immobiliengesch äften die Landesbilanzen aufgewertet.
Und jetzt wo die negativen Auswirkungen die positiven einmal überschatten rufen alle nach Ausstieg.
Durch so ein Handeln wird sich Deutschland nicht nur europaweit sondern weltweit isolieren.
Und das sich ein Amerikaner die D-Mark zurückwünscht ist mir schon klar...schließlich hat der starke Euro dem Dollar mächtig Konkurrenz gemacht...
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